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Shaping – neues Verhalten Schritt für Schritt

Wenn dein Hund ein neues Verhalten erlernen soll, gibt es verschiedene Wege, eine Übung aufzubauen. Vor einigen Wochen habe ich zu diesem Thema einen Blogartikel geschrieben. Darin habe ich dir fünf Möglichkeiten aufgezeigt, wie du bei deinem Hund Verhalten hervorrufen kannst. Eines dieser Trainingswerkzeuge stelle ich dir heute ein wenig ausführlicher vor. In diesem Artikel dreht sich alles um das Shaping. Was ist Shaping überhaupt? Wie wendet man es an? Welche Vor- und Nachteile gibt es? All das erkläre ich dir in den folgenden Abschnitten.

Was ist Shaping?

Der Begriff Shaping (von to shape) stammt aus dem Englischen und heißt ins Deutsche übersetzt formen. Auf das Lernen von Lebewesen bezogen bedeutet dies, eine Übung in kleinste Teile zu zerlegen. Der Lernende muss durch Ausprobieren selbst herausfinden, was richtig und was falsch ist. Wir formen auf diese Weise ein Verhalten.

Wir alle kennen die übliche Vorgehensweise beim Training. Der Hund zeigt das gewünschte Verhalten und bekommt dafür seine Belohnung. Bestätigt wird hier also das Ergebnis der Übung.

Das Shaping gestaltet sich deutlich anders. Hier wird das Trainingsziel zunächst außer Acht gelassen und jeder(!) kleine Schritt in die richtige Richtung belohnt. Es gibt also nicht nur Belohnung für das Zielverhalten, sondern vor allem für den richtigen Weg dorthin.

Man kann das Shaping ein bisschen mit dem Kinderspiel Topfschlagen vergleichen. Eine Person aus der Gruppe muss mit verbundenen Augen einen Topf suchen, unter dem sich ein kleines Geschenk befindet und der irgendwo im Raum versteckt ist. Die anderen Mitspieler geben Hinweise. "Kalt" wenn der Suchende daneben liegt, "warm" wenn er auf dem richtigen Weg ist und "heiß", wenn er ganz dicht dran ist.

Beim Formen von Verhalten gehen wir ähnlich vor. Wir denken uns eine Übung aus, und zerlegen diese in kleine Bestandteile. Der Hund soll sich das Übungsziel selbständig erarbeiten. Wir reagieren lediglich auf die Aktionen des Hundes.

Shaping - So funktioniert’s

Ich werde dir nun an einem konkreten Beispiel erklären, wie ein Verhaltensaufbau über Shaping ablaufen kann.

Unser Beispielhund kennt den Bodentarget noch nicht und soll nun über Shaping an eine auf der Erde liegende Scheibe herangeführt werden. Ziel der Übung ist, dass der Hund mit beiden Vorderpfoten auf dem Target steht.

Als erstes überlegst du dir, wie du diese Übung in möglichst viele kleine Teile zerlegen kannst. Du kannst dir die einzelnen Schritte auch gern aufschreiben. Ein wirksames Mittel gegen das Vergessen. 🙂

Während der Übung wird jeder noch so kleine Schritt in die richtige Richtung belohnt. Ich empfehle dir daher mit einem Clicker oder Markersignal zu arbeiten, da du sehr schnell reagieren und präzise belohnen musst, damit das Training bald zum gewünschten Erfolg führt.

Jetzt beginnst du mit der Übungseinheit. Der Target liegt am Boden, du stehst oder sitzt vor dem Target, dein Hund ist in deiner Nähe. Um eine Starthilfe zu geben kannst du ein Leckerli nach vorn werfen. Der Hund wird sofort loslaufen um sich das Futterstück zu schnappen. Jetzt pass gut auf, denn in dem Moment, wo der Hund auf den Bodentarget zu läuft, gibt es den ersten Click und die Belohnung folgt sofort. Nun clickst du jede Aktion in Richtung Target. Dein Übungsablauf könnte folgendermaßen aussehen:

  • Der Hund läuft auf dem Target zu.
  • Der Hund schaut den Target an.
  • Der Hund schnüffelt am Target.
  • Der Hund leckt am Target.
  • Der Hund kratzt am Target.
  • Der Hund hebt die linke Vorderpfote an.
  • Der Hund hebt die rechte Vorderpfote an.
  • Der Hund stellt eine Pfote auf den Target.
  • Der Hund stellt zwei Pfoten auf den Target.

Man könnte diese Übung in noch kleinere Schritte unterteilen. Doch ich denke, dass anhand dieses Beispiels jetzt deutlich geworden ist, worum es beim Shaping geht.

In welchen Bereichen ist Shaping sinnvoll?

Sehr häufig wird das Formen beim Erlernen von Tricks eingesetzt. Aber diverse Übungen aus dem Grundlagentraining oder auch Verhaltenstraining lassen sich über Shaping aufbauen. Man muss ich nur vorher überlegen, wie man die Übungen sinnvoll in kleine Schritte aufteilt.

Die Vorteile

Ich habe das Shaping in einem Online-Kurs bei Angelika Bodein kennen und anwenden gelernt. Seitdem arbeite ich immer wieder gern damit. Es tut meinen Hunden gut. Vor allem Bobby ist während und nach dem vierwöchigen Kurs regelrecht aufgeblüht. Die Gründe dafür liegen auf der Hand.

Der Hund muss sich das Trainingsziel selbst erarbeiten, dabei ist der Lernerfolg größer und nachhaltiger. Hier können wir gern einen Vergleich zu uns selbst ziehen: Wenn wir uns ein Lernziel eigenständig erarbeiten und endlich zum richtigen Ergebnis kommen, ist die Freude umso größer. Der nächste Motivationsschub kommt bestimmt. 🙂

Der Weg ist das Ziel - auch im Hundetraining.

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Zahlreiche kleine Schritte verschaffen dem Hund viele Erfolgserlebnisse. Er wird das Training lieben. Weil es ständig etwas Gutes gibt, wird er sich noch mehr anstrengen.

Gerade bei ängstlichen Hunden führt das Training in kleinsten Schritten zu mehr Selbstvertrauen. Sie lernen, dass sie etwas bewegen können. "Ich kann machen, dass es clickt und etwas tolles passiert."

Auch beim Menschen findet ein Lernprozess statt. Der Hundehalter schult seine Beobachtungsgabe, denn die ist notwendig, damit das Training funktionieren kann.

Nachteile und Schwierigkeiten

Ich muss zugeben, ich hatte anfangs mit dieser Art des Trainings so meine Schwierigkeiten, und es hat einige Zeit gebraucht, bis ich den Sinn dahinter wirklich verstanden habe. 

Das Denken in kleinen Einheiten ist gar nicht so leicht. Ich habe immer zunächst nur das Ziel vor Augen gesehen und mir um den Weg dorthin keine Gedanken gemacht. 

Shaping ist nichts für Ungeduldige. Das Tempo bestimmt hier der Hund. Jeder Hund lernt unterschiedlich schnell. So kann es unter Umständen recht lange dauern, bis ein Vierbeiner das gewünschte Verhalten herausfindet.

Während einer Übung kann es passieren, dass der Hund keine Ideen mehr hat, wie es weitergeht und sich einfach hinlegt. Das liegt dann meistens daran, dass der Mensch zu langsam war. Wenn dir das passiert, löse die Übung auf und mache eine Pause. Überlege dir in der Zeit, ob du Sie eventuell anders aufbauen kannst.

Schlusswort

Mit dem Shaping steht uns ein weiteres tolles Trainingswerkzeug aus dem Bereich der positiven Verstärkung zur Verfügung. Durch das ständige Ausprobieren ist der Hund geistig gefordert und lernt eine Übung nachhaltiger. Besonders gute Erfahrungen habe ich im Bereich des Verhaltenstrainings damit gemacht. Bobby, ein einst ängstlicher und unsicherer Hund, gewann dadurch enorm an Selbstvertrauen.

Das Shaping erfordert auch vom Hundehalter ungeteilte Aufmerksamkeit. Er muss einen Vierbeiner genau beobachten, um schnell auf den nächsten richtigen Schritt reagieren zu können. Aber wie heißt es immer so schön: “Übung macht den Meister.”

Hast du das Shaping bei deinem Hund schon ausprobiert? Wie sind deine Erfahrungen? Verrate es mir gern in einem Kommentar.

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