Mensch sucht Haustier – oder wer sucht hier wen aus?

Der Mensch fasst irgendwann den Entschluss, dass ein Haustier einziehen soll. Er begibt sich auf die Suche nach dem passenden Vierbeiner. Wenn er ihn gefunden hat, erledigt er einige Formalitäten, und schon steht dem Einzug nichts mehr im Wege. Doch ist es tatsächlich immer so, dass der Mensch sich seinen neuen Mitbewohner aussucht? Könnte es nicht auch den umgekehrten Fall geben und ein Tier den Menschen auswählen, bei dem es den Rest seines Lebens verbringen möchte? Warum entscheiden wir uns gerade für dieses bestimmte Tier und nicht für ein anderes? In meinem heutigen Blogartikel schreibe ich meine Gedanken zu diesem Thema auf.

Ich bin nicht gläubig, und eine meiner ersten Amtshandlungen, als ich eigenes Geld verdiente, war der Austritt aus der Kirche. Ich bin ein Kopfmensch. Für alles muss es nach Möglichkeit eine logische Erklärung geben. Doch da ist noch ein anderer Teil in mir, der fest daran glaubt, dass Es meistens einen Grund gibt, warum Dinge so geschehen, wie sie geschehen. Wenn z. B. etwas nicht so klappt, wie ich es mir erhofft habe, sage ich mir häufig schon: „Dann sollte es wohl nicht sein, wer weiß, wozu es gut war?“

Hund sucht MenschenDer Wunsch nach einem Zweithund

Mit Bobbys Einzug veränderte sich einiges. Wir wollten einen Zweithund und schauten uns auf der Homepage des Hamburger Tierheims um. Doch zunächst hatten wir einen anderen Hund ins Auge gefasst. Dieser war aber schon vermittelt, als mein Mann im Tierheim nachfragte. Ich erinnere mich noch, als wäre es erst gestern gewesen: ich konnte an diesem Tag nicht mitkommen. Mein Mann sah sich anschließend im Tierheim um. Schon nach kurzer Zeit fiel ihm der kleine Sparky auf, der sich im Freilaufgehege zusammen mit anderen Hunden aufhielt und immer wieder neugierig und schwanzwedelnd an den Zaun kam. Hartnäckig blieb der Hund dort, wedelte und hörte zu, wie mein Mann mit ihm sprach. Am Abend, als ich schließlich auch zuhause war, erzählte er mir von Sparky. Der Hund war uns gar nicht aufgefallen, obwohl er auch auf der Homepage des Tierheims zu sehen war. Sein Foto wirkte jedoch vergleichsweise unscheinbar.

Sparky erobert unsere Herzen

Wir beschlossen, am folgenden Wochenende ins Tierheim zu fahren, um Sparky näher kennenzulernen. Gesagt getan: An einem Samstag im Januar 2015 machten wir uns gemeinsam mit Rica auf den Weg. Wir bekamen Sparky überlassen und durften uns nun über zwei Stunden mit ihm Beschäftigten. Süß sah er aus, der kleine. Ich verliebte mich sehr schnell in ihn. Der Hund jedoch wollte zunächst gar nichts von uns wissen. An seiner gesamten Körpersprache konnte ich erkennen, dass er Angst hatte. Doch je mehr Zeit wir zusammen verbrachten, desto mutiger wurde Sparky. Die Besuchszeit des Tierheims näherte sich dem Ende. Wir hatten uns für den Hund so gut wie entschieden, doch für den heutigen Tag hieß es erst einmal Tschüß zu sagen. Das spürte der kleine Sparky scheinbar, denn plötzlich drückte er sich ganz fest an mich. In diesem Moment war es endgültig um mich geschehen.

Doch einen Hund kauft man nicht wie ein Pfund Butter, und so wurde seitens des Tierheims gewünscht, dass es noch weitere Besuchstermine geben sollte. Für uns war das in Ordnung. So konnten Hund und zukünftige Halter sich erst nochmal richtig kennen lernen. Wieder Zuhause angekommen, ging uns beiden der Hund, der sein bisheriges Leben in Rumänien auf der Straße und zuletzt in einem rumänischen Tierheim verbracht hat, nicht mehr aus dem Kopf. Vor allem ich musste nahezu ununterbrochen an ihn denken. Einige Wochen zuvor besuchte ich ein Seminar zum Thema Tierkommunikation und war zu diesem Zeitpunkt besonders sensibilisiert. Immer wieder hörte ich eine innere Stimme, die mir sagte: „Es ist deine Aufgabe, dich um diesen Hund zu kümmern. Du und dein Mann, Ihr seid dafür ausgewählt, ihn für den Rest seines Lebens zu begleiten.“

An dem Tag, als unser neuer Mitbewohner bei uns Einzog, kam er wieder an den Zaun gelaufen. Er hat sich so sehr gefreut, als wüsste er ganz genau, dass er dieses Mal mit uns mitkommen durfte… und es für immer nachhause ging. Endlich ein Zuhause, nach mehr als sechs Jahren!

Me and Bobby

Sparky heißt jetzt Bobby und lebt nun seit fast zweieinhalb Jahren bei uns. Ich habe die mir gestellte Aufgabe angenommen. Aus dem einst verängstigten Vierbeiner ist ein fröhlicher Hund geworden. Die Beziehung zwischen Bobby und mir war von Anfang an eine ganz besondere. Er vertraut mir voll und ganz. Das merke ich vor allem in Situationen, mit denen er überfordert ist. Dann kommt er an und sucht Schutz bei mir. Schwierige Situationen (dazu zählen u. a. Tierarztbesuche) kann er meistern, solange ich bei ihm bin.

Bobby liebt unseren Garten

Oft Frage ich mich, was aus Bobby geworden wäre, wenn der Hund, den wir ursprünglich wollten, noch da gewesen wäre. Wenn er nicht an den Zaun des Freigeheges gekommen wäre. Wenn wir uns nicht für ihn entschieden hätten. Über all das denke ich immer wieder nach, und dann glaube ich daran, dass nicht wir es waren, die Bobby ausgesucht haben, sondern dass Bobby in uns die Menschen gesehen hat, zu denen er wollte. Bobby hat uns gerufen und wir sind dem gefolgt. Ich weiß, dass klingt vielleicht ein wenig verrückt, und der Kopfmensch in mir mag das auch nicht wirklich annehmen: „Ja, du hattest eben schon immer eine blühende Phantasie…“

Jimmy, ein nie vergessener Freund

Ähnlich wie vor zwei Jahren mit Bobby ging es uns mit unserem zweiten Kater. Unserem Paulchen, der ungefähr ein halbes Jahr bei uns lebte, wollten wir Freilauf ermöglichen. Das ging gerade mal drei Wochen gut, dann kam er nicht mehr zurück. Wir suchten immer wieder nach ihm, auch die Nachbarn halfen mit. Nach mehreren Wochen des Hoffens und Bangens hielt ich es nicht mehr aus. Wir waren bereit für eine neue Katze und begaben uns ins Tierheim. Dort war ein schwarz-braun getigertes Kätzchen, das sich in die hintere Ecke seines Zwingers zurückgezogen hatte. Somit hatten wir es fast übersehen. Die Tierpflegerin öffnete den Zwinger, ich streckte vorsichtig der Katze meine Hand entgegen. Der kleine Kater schnupperte daran, und fing an zu schnurren. In diesem Moment war klar, das würde unsere Katze werden. Wir nannten den Kater Jimmy. Er lebte knappe zehn Jahre bei uns, dann erkrankte er schwer. Er war ein ganz besonderer Kater, und wir waren sehr traurig, als er über die Regenbogenbrücke gehen musste.

Jimmy (1995 – 2005)

Auch hier habe ich mir oft die Frage gestellt: Was wäre gewesen, wenn Paulchen zurück gekommen wäre? Warum kam er nicht wieder? Was wäre aus Jimmy geworden, hätten wir ihn nicht adoptiert?
Zwei Jahre nach Jimmys Tod adoptieren wir Ricci, der noch heute bei uns lebt. Ricci hat teilweise ähnliche Eigenschaften wie Jimmy sie hatte. Nicht selten kommt mir heute noch der Gedanke, dass Jimmy ihn geschickt hat.

Ricci

Kennst du ähnliche Erlebnisse und Gedanken? Hast du auch schon das Gefühl gehabt dass nicht du dir dein Tier ausgesucht hast, sondern umgekehrt? Schreibe es gerne in die Kommentare.

4 Kommentare

  1. Pingback:Tierkommunikation - Ein Hund berichtet... - Ricas Dogblog

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  3. Oh ja ich kenne das nur zu gut. Nach dem Tod meiner Shiva, die mich 12 Jahre begleitet hat und mein absoluter Seelenhund war, war ich fast 4 Jahre nicht bereit für einen neuen Hund. Ich wollte schon aber ich konnte nicht – ich hab immer auf dieses gewisse Etwas gewartet.

    Eines Nachts vor gut 2 Monaten träumte ich sehr intensiv von Shiva (das hätte ich vorher nie und auch bis jetzt nicht wieder). am nächsten Tag fuhr ich zu einer Freundin, deren Chefin gelegentlich Hunde aus dem Ausland zur Vermittlung übernimmt.

    Ich sah mir die Hunde an, ich liebe Hunde aber wollte definitiv keinen mit nach Hause nehmen. Eigentlich sollte es wenn dann wieder ein Labrador werden – so wie Shiva einer war.

    Und dann stand sie da – meine jetzige Nele und irgendwas in mir hat Klick gemacht. Keine Ahnung was da los war aber optisch war sie so gar nicht das was mir vorschwebte. Ich musste ständig an sie denken und hab sie dann am nächsten Tag adoptiert. Sie ist jetzt gut 2 Monate bei uns und hat so unglaublich viele Eigenschaften die mich an Shiva erinnern, das es schon fast unheimlich ist – jemand anderer könnte jetzt sagen, das der Traum und alles Zufall ist aber ich bin sonst niemand, der so Hals über Kopf einen Hund adoptiert. Nele wurde mir geschickt, weil es mein Hund werden sollte, da bin ich mir ganz sicher.

    Ich wünsch dir noch alles Gute mit deiner Bande
    Liebe Grüße
    Nicole + Nele

    • Hallo Nicole,
      was für eine schöne Geschichte. Ja, ich glaube auch, dass Shiva dir Nele geschickt hat. Ich denke, es gibt viel mehr zwischen Himmel und Erde, als wir uns vorstellen können oder wollen, und nicht alles ist immer Zufall. Ich wünsche dir weiterhin ganz viel Freude mit deiner Maus.
      LG Bettina mit Rica und Bobby 🙂

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