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Me and Bobby – Unsere Geschichte Teil 2

Im Herbst 2017 habe ich beschlossen, die Geschichte von mir und meinem Hund Bobby aufzuschreiben und eine mehrteilige Blogartikelreihe daraus zu machen. Wenn du den ersten Teil und den Auftaktbeitrag verpasst hast, ist das kein Problem. Du kannst die beiden Artikel jederzeit nachlesen.

Der Beginn einer Freundschaft

An jenem Samstag Ende Januar 2015 waren wir – entgegen unserer sonstigen Gewohnheiten – früh auf den Beinen. Wir hatten Großes vor, denn wir wollten einen Hund kennenlernen. kennenlernen ist wohl eher untertrieben, denn es ging darum, ob dieser Hund Namens Sparky vielleicht unser zukünftiger neuer Mitbewohner werden würde.

Es war kalt an diesem Tag, aber die Sonne machte sich langsam am Himmel sichtbar und zeigte ein hübsches Farbenspiel. Wir waren guter Dinge und voller Erwartung auf das, was vor uns lag. Pünktlich um 9.00 Uhr betraten wir zusammen mit Rica das Tierheimgelände. Wir erreichten das Hundehaus und dessen Außengehege, wo viel Platz für die Tierheimhunde war. Wir schauten uns ein wenig um, als ein kleiner rotbrauner Hund an den Zaun gelaufen kam und mit dem Schwanz wedelte. „Das ist Sparky“ sagte mein Mann.

FreundschaftDie erste Begegnung

Wir meldeten uns an und bekamen sogleich den Hund überlassen. Es war Zeit zum ausgiebigen Kennenlernen. Dazu wurden wir in einem anderen Freilaufgehege mit den beiden Hunden „ausgesetzt“.

Rica fühlte sich an diesem Ort sichtlich wohl und ging erst einmal auf Erkundungstour. Doch der kleine Sparky wollte von uns nichts wissen. Er machte einen ängstlichen und unsicheren Eindruck und versank in seine eigene Welt. Im ersten Augenblick waren mein Mann und ich ein wenig enttäuscht. Doch es wäre viel zu früh gewesen, um schon aufzugeben. Außerdem, was konnten wir erwarten?

Wir spazierten in ruhigem Tempo durch das Gehege, das sehr schön angelegt war. Einen kleinen Teich gab es dort und eine Bank, wo sich die Zweibeiner ausruhen können. Wir setzten uns und beobachteten die Hunde, die sich anfangs freundlich begrüßten, jedoch anschließend ihre eigenen Wege gingen. Während Rica immer wieder Blickkontakt zu uns suchte, wollte Sparky uns möglichst auf Abstand halten.

Da ich mich an diesem Tag ein wenig im Kleiderschrank vergriffen hatte, musste ich jetzt etwas tun. Mir wurde kalt, und das konnte ich gar nicht gebrauchen! Ich rief Rica zu mir. Die benahm sich wie ein Musterhund, kam prompt und machte neben mir “Sitz”. Für eine solche gute Leistung lässt Frauchen schon mal eine Belohnung springen. Und siehe da… unser kleiner rumänischer “Mitgefangener” beobachtete uns. Ich setzte mich in Bewegung, meine Hündin im Schlepptau, gefolgt von dem kleinen Sparky. Zwar war zwischen ihm und uns noch genügend Sicherheitsabstand. Doch er begann – ganz zaghaft – sich an Rica zu orientieren.

So ging es eine ganze Zeit lang: Immer wieder riefen wir die beiden Hunde zu uns. Rica kam sofort und auch Sparky verlor langsam seine Scheu. Sein Sicherheitsabstand verringerte sich und nach einer Weile nahm er sogar Futter aus unseren Händen.
Doch die Hände durfte man nicht weiter in seine Richtung bewegen. Bei dem Versuch ihn anzufassen, wich er sofort zurück. Einmal schnappte er sogar in die Luft.

Mein Mann und ich beschlossen, dass wir mit beiden Hunden noch spazieren gehen wollten. Doch weder ihm noch mir gelang es trotz zahlreicher Versuche, Sparky anzuleinen. Schließlich holte mein Mann einen Tierpfleger heran und bat um Hilfe. Auch dieser Junge Mann hatte seine Schwierigkeiten, dem kleinen ängstlichen Vierbeiner die Leine am Halsband einzuhaken. Das beruhigte mich schon fast wieder, es lag also nicht an uns.

An der Leine, abwechselnd mal bei mir, mal bei meinem Mann, beruhigte sich Sparky ein wenig. Langsam fasste er Vertrauen zu uns, reagierte auf Ansprache. Man konnte richtig dabei zusehen, wie er mutiger wurde. Schließlich ließ er sich sogar von uns anfassen.

Ein unvergesslicher Moment

Die Zeit verging wie im Flug und wir mussten uns so langsam mit dem Gedanken vertraut machen, den Heimweg anzutreten. Wir gingen mit Rica und Sparky ins Foyer des Hundehauses. Es herrschte Trubel in diesem Raum, und es sollte eine ganze Weile dauern, bis wir an der Reihe waren.

Der kleine Sparky suchte inzwischen von sich aus den Kontakt zu uns. Er schien an diesem Tag verstanden zu haben, wie schön es sein kann, gestreichelt zu werden und dass nicht jede menschliche Hand Böses tut. Ich ging in die Hocke, um mit ihm auf gleicher Höhe zu sein, als es geschah: Er rückte ganz nah an mich heran, legte seinen Kopf in meinen Schoß und ließ sich hinter den Ohren kraulen. Noch gute zwei Stunden zuvor wäre das absolut unmöglich gewesen! Er wollte gar nicht wieder weg von uns. Das war der Moment, in dem es endgültig um mich geschehen war: Ich hatte mich verliebt. Meinem Mann ging es nicht anders. Wir hatten einen neuen Freund gewonnen.

Wie ging es weiter?

Auch wenn wir uns an diesem Tag schon so gut wie entschieden hatten, vereinbarten wir noch weitere Kennenlerntreffen. Der Hund war verhaltensauffällig, da würde viel Arbeit auf uns zukommen und das muss man sich sehr gut überlegen. Für den Hund würde die Eingewöhnung im neuen Zuhause ebenfalls leichter sein, wenn er die Menschen dort schon etwas besser kennt.Freundschaft

Eines der ersten Bilder, die von Bobby entstanden sindNach drei weiteren Besuchen, abwechselnd von meinem Mann und mir kam endlich der Tag, an dem unser neuer Mitbewohner bei uns einzog. Ich weiß noch, wie sehr er sich gefreut hat. Zuvor freute er sich zwar auch, wenn einer von uns ihn besuchen kam, doch an diesem Tag war die Freude ganz besonders. Bestimmt hat der Hund gespürt, dass er jetzt für immer zu uns durfte. Endlich hatte dieser ehemalige Straßenhund ein Zuhause!

Das erste was wir taten, war dem Hund einen neuen Namen zu geben. Aus Sparky wurde Bobby. Wir fanden einfach, dass dieser Name besser zu ihm passte.

Schlusswort

Die Geschichte unseres Kennenlernens ist ein weiterer Beweis dafür, dass man mit Ruhe, Geduld und Verständnis bei einem Hund viel erreichen kann. Innerhalb von nur zwei Stunden hatte ich das Vertrauen eines ängstlichen und Menschen gegenüber misstrauischen Hundes gewonnen. Darauf konnte ich aufbauen.

Die Wochen nach Bobbys Einzug waren nicht leicht. Es kann vorkommen, dass Tierheimhunde in ihrem neuen Zuhause anderes Verhalten zeigen, das vorher nicht oder nicht so deutlich auftrat. Das war bei Bobby der Fall. Doch ich möchte an dieser Stelle nicht vorgreifen, denn die Eingewöhnung wird Thema des dritten Teils unserer Geschichte sein.

Hast du auch einen Hund aus dem Tierheim? Hast du dich schon am ersten Tag des Kennenlernens entschieden? Wie lief es mit der Eingewöhnung? Schreibe mir gern einen Kommentar!

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