Buchrezension: Herz, Hirn, Hund von Thomas Riepe

Seitdem ich Hundehalterin bin, gilt mein besonderes Interesse der Hundeerziehung. Bereits seit einigen Jahren verfolge ich regelmäßig den Blog Klartext Hund, in dem sich der Autor Thomas Riepe kritisch mit den vielen „Hundeexperten“ und deren teilweise fragwürdigen Methoden im Hundetraining auseinandersetzt. Thomas Riepe ist Tierpsychologe, Journalist und Buchautor. Da viele seiner Ansätze bei mir auf große Zustimmung stoßen, musste irgendwann ein Buch her. Ich entschied mich für Herz, Hirn, Hund. 

Herz, Hirn, HundAus dem Inhalt

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Es scheint kaum ein Thema zu geben, über das so viel diskutiert und gestritten wird wie über den „richtigen“ Umgang mit dem Hund. Unüberschaubar ist die Menge an Erziehungsmethoden. Die Anzahl an Hunden mit Problemverhalten ist gestiegen. Leider wird auch heute in vielen Hundeschulen immer noch mit Gewalt, Druck und Strafe ausgebildet. Nicht selten kommen dabei noch immer haarsträubende Hilfsmittel wie beispielsweise Stachel- oder Würgehalsband zum Einsatz. Thomas Riepe stellt in seinem Buch diverse Trainingsmethoden vor, beleuchtet diese kritisch und zeigt auch die Folgen, beispielsweise von körperlicher Maßregelung, für die Hunde auf. Dabei scheut er sich auch nicht, Namen derer zu nennen, die zwar eine gewaltfreie Hundeerziehung propagieren, diese vom Hund jedoch nicht als solche empfunden wird.

Im zweiten Teil des Buches, lässt Riepe einige seiner Berufskollegen zu Wort kommen, die er selbst interviewt hat und denen er allen die gleichen Fragen gestellt hat. Hier ergeben sich auch in einzelnen Bereichen unterschiedliche Sichtweisen.  Aber alle arbeiten, laut Angaben im Buch, ohne Gewalt und Strafe am Hund.

Meine Bewertung

Die äußere Form finde ich etwas gewöhnungsbedürftig, aber das ist Geschmackssache, denn ich finde, ein Buch in DIN A5-Format liest sich besser als eines in der Größe DIN A4. Aber das ist eher eine Kleinigkeit. Ansonsten ist das Buch aber ansprechend gestaltet. Der Aufbau der einzelnen Kapitel ist übersichtlich und Bilder lockern den umfangreichen Text ein wenig auf.

Viel wichtiger als das Layout ist jedoch der Inhalt. Schon die Einleitung lässt mich als Leserin nachdenklich werden. Es hagelt Kritik an unserer Gesellschaft. Wir leben in einer Zeit, in der wir bereits für die kleinsten alltäglichen Dinge einen Ratgeber brauchen. Diese finden wir auch in großer Zahl in den Medien. Ohne diese Ratgeber, so der Autor, können wir scheinbar nicht mehr durchs Leben kommen. Schnell findet er in diesem Abschnitt die Überleitung zum Thema Hund und nimmt sich dabei die „Hundetrainer“ vor, die sich im Fernsehen vermarkten und auf Kosten der Tiere zu Maßnahmen wie Leinenruck, tagelangem Futterentzug, Sprühhalsbändern und ähnlichem greifen, um möglichst hohe Einschaltquoten zu erzielen.

Das sich anschließende Kapitel Rudel, Rangordnungen, Alpha hat mich ehrlich gesagt sehr schockiert. Thomas Riepe berichtet im Rahmen einer USA-Reise über die Trainingsmethoden des „Dog Whisperers“ Cesar Millan, die er, so wörtlich „zutiefst verachtet“. Er berichtet von Hunden, die fast bis zur Bewusstlosigkeit mit einem Würgehalsband „therapiert“ oder mit Stromschlägen „behandelt“ wurden.  Für mich ist einfach unbegreiflich, wie jemand, der so mit Hunden umgeht, eine solch große Anhängerschaft hinter sich haben kann.  

Im Weiteren Verlauf des Buches kommen die unterschiedlichsten Themen aus dem Bereich der Hundehaltung und -erziehung zur Sprache. Darunter Erziehung und Ausbildung, Kommunikation, Strafe und Abbruchsignale, Kontakt zu Artgenossen, Freilauf und Hilfsmittel.  
Im zweiten Teil des Buches sind diverse Interviews abgedruckt, die Riepe mit Berufskollegen geführt hat. Unter diesen Hundetrainern befinden sich u. a. Clarissa von Reinhardt, Maria Hense, Dr. Ute Blaschke-Berthold und Sabine Neumann. Alle Interviewpartner bekamen die gleichen Fragen gestellt und schon bei diesen wenigen Personen wird deutlich, welche unterschiedlichen Sichtweisen es in Sachen Hundeerziehung gibt. Auch diesen Abschnitt finde ich sehr interessant.

Schlusswort

Herz, Hirn, Hund ist kein Erziehungsratgeber, sondern ein Buch, das sich kritisch mit unserer Gesellschaft, unserer schnelllebigen Zeit, dem Streben nach Perfektionismus und dem daraus folgenden, immer unübersichtlicher werdenden Dschungel an Erziehungsmethoden auseinandersetzt. Ich finde dieses Buch sehr lesenswert und empfehle es deshalb auch gern weiter. Es regt zum nachdenken an – und dazu, sich doch in erster Linie auf sein eigenes Bauchgefühl und den gesunden Menschenverstand zu verlassen und nicht unreflektiert jedem Trend zu folgen.

 

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