Immer nur Futter? – Wissenswertes über Belohnung

Wir Hundehalter, die ihre Vierbeiner über positive Verstärkung erziehen, werden häufig kritisiert. Der Hund arbeitet ja nur mit, weil er dafür Futter bekommt. Ich durfte mir auch schon mal sagen lassen, ich würde meinen Hund bestechen.

Doch wer so denkt, macht es sich zu einfach! Erstens ist Belohnung nicht gleich Futter, zweitens gibt es zwischen Belohnung und Bestechung einen kleinen feinen Unterschied und drittens muss etwas, das wir als Belohnung aussuchen noch lange nicht vom Hund als solche empfunden werden.

All das ist genug Stoff, um es in einem Blogartikel abzuarbeiten.

BelohnungBelohnung, was ist das genau?

Wir belohnen unseren Hund, wenn er eine Übung richtig ausgeführt hat. Wir bezwecken damit, dass er dieses richtige Verhalten ab jetzt häufiger zeigt. Doch damit wir dieses Ziel auch erreichen können, müssen wir uns mit dem Thema Belohnung einmal etwas genauer beschäftigen.

Jedes Lebewesen hat Bedürfnisse und Dinge, die es gerne tut. Egal was wir unserem Hund anbieten, belohnend ist es erst dann, wenn wir damit einem aktuellen Bedürfnis des Hundes gerecht werden. Dazu folgendes Beispiel: Es raschelt im Gebüsch, dein Hund wittert Beute. Du hast das frühzeitig erkannt und rufst ihn zu dir. Erwartungsvoll kommt er bei dir an… – und du gibst ihm einen trockenen Keks aus der Hand. Es ist anzunehmen, dass dein Hund in dieser Situation das Futter als wenig belohnend empfindet, obwohl es von dir anders beabsichtigt war. Viel lieber wollte er doch gerade durchstarten um zu schauen, was dort im Gebüsch los ist. Nun könnte es passieren, dass der Hund das nächste Mal nicht zu dir zurückkommt, sondern seinem Bedürfnis nach Hetzen/ Jagen nachgeht.

Gleiche Situation. Du rufst deinen Hund zu dir, jedoch gibst du ihm das Leckerlie nicht aus der Hand, sondern wirfst es weg. Dein Hund muss rennen, um es zu bekommen. Diese Art der Bestätigung wird dem aktuellen Bedürfnis des Hundes schon eher gerecht.

Fassen wir zusammen: Was eine Belohnung ist und was nicht, entscheidet immer der Hund, nicht wir. Sie ist abhängig von den jeweiligen Bedürfnissen des Hundes und bedeutet nicht immer nur Futter. Lob, Zuwendung, Spielen, Schnüffeln, Buddeln, Rennen, sich Wälzen usw. – eben viele Dinge aus dem  ganz normalen Hundeverhalten – können als Belohnung eingesetzt werden.

Lass uns in diesem Zusammenhang auch noch einmal kurz auf den Unterschied zwischen Belohnung und Bestechung eingehen. Die Belohnung erfolgt, wenn eine Leistung vollbracht ist, ohne dass derjenige, der sie erhält vorher davon weiß. Wenn ich jemanden besteche, mache ich im Vorwege ein Versprechen unter der Bedingung etwas bestimmtes für mich zu tun.

So findest du die passenden Belohnungen für deinen Hund

Hunde sind Individuen, und was für den einen Hund die Super-Belohnung ist, ist für den anderen eher langweilig. Beobachte daher deinen Hund eine gewisse Zeit lang. Finde heraus, was er gerne tut und in welchen Situationen er welche Bedürfnisse hat. Schnüffelt er z. B. bei Spaziergängen gern? Wunderbar, das Schnüffeln kannst du unter Signal stellen und prima als Belohnung (z. B. für längeres Bei Fuß gehen) einsetzen.

Die Belohnugnsliste

Notiere dir deine Beobachtungen oder mache einfach ein Brainstorming zum Thema „Was macht meinem Hund Spaß?“ Schreibe alles auf, was dir dazu einfällt, auch die Dinge, von denen du nicht möchtest, dass dein Hund sie tut. Danach sortierst du die Liste. Die Dinge, die dein Hund am Liebsten tut, stehen dabei an erster Stelle. Deine Liste sollte nachher etwa 10 bis 20 Einträge haben.

Wenn in deiner Liste Dinge stehen, die dein Hund nicht tun sollte, versuche dafür im nächsten Schritt Alternativen zu finden. Beispiel: Wild hetzen, Alternative Futterdummy apportieren.

Ricas Top-10-Liste

Im Rahmen eines Onlinekurses habe ich bereits vor längerer Zeit eine Belohnungsliste für Rica erstellt. Diese stelle ich dir nachfolgend als Orientierungshilfe zur Verfügung:

1. Schnüffeln
2. Rennen
3. Zerrspiel mit Frauchen
4. Fressen
5. Schlafen/Ruhen
6. Aus dem Fenster schauen
7. Sich wälzen
8. Buddeln
9. Suchspiele
10. Auf Stein oder Baumstamm springen

Rica bei ihrer Lieblingsbeschäftigung

Fällt dir etwas auf? Bei Rica steht das Futter erst an vierter Stelle. Ihr sind andere Dinge oftmals wichtiger.
Insbesondere, wenn wir in unbekannten Gefilden unterwegs sind, ist mit Futter bei ihr nicht viel zu machen.

Schlusswort

Hast du erst einmal herausgefunden, was deinem Hund wirklich gefällt, stehen dir vielfältige Möglichkeiten offen, deinen Hund für richtiges Verhalten zu belohnen. Nur eine Belohnung, die auch wirklich vom Hund als solche empfunden wird, verstärkt gewünschtes Verhalten.

Was macht deinem Hund Spaß? Hast du für ihn schon eine Belohnungsliste erstellt? Verrate es mir gern in einem Kommentar.

6 Kommentare

  1. Hallo Bettina,
    ich dachte eine ganze Weile das Futter bei Lady das Wichtigste ist. Jedoch ist Ballspiele auf der Nr. 1 gelandet. Und knuddel vom Frauchen gibt es oben drauf…grins…LG Claudia

    • Hallo Claudia,
      Ballspielen mag Rica auch gern… und die Zuwendung von Frauchen sowieso. LG Bettina mit Rica und Bobby

  2. Ein sehr schöner Artikel. 🙂 Kalle hat auch in bestimmten Situationen kaum Interesse an Futter. Für erfolgreiches Abrufen von Wild ist für ihn gemeinsames Rennen die beste Belohnung. Wenn er ängstlich ist, ist es oft meine Nähe selbst, da ich mich zwischen ihn und den Angstauslöser stelle. Oder auch das Anleinen, da er die Leine mittlerweile sehr positiv verknüpft hat und sich dann sichtlich entspannt.
    Herzliche Grüße,
    Nora mit Mia und Kalle

    • Hallo Nora,
      es freut mich, dass dir mein Artikel gefällt. Es ist toll, dass es so viele Möglichkeiten gibt, seinen Hund zu belohnen. Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass die Nähe des Menschen bei Angst dem Hund hilft. Bobby hat wahnsinnige Angst vor Gewitter und sobald es nur aus der Ferne grummelt, springt er schon in meinen Arm.
      Liebe Grüße
      Bettina mit Rica und Bobby

  3. Danke für die Tipps. Sollte man etwas beachten, wenn man das Schnüffeln unter Signal stellen möchte? Das ist nämlich auch einer Rosi’s Lieblingsbeschäftigungen 🙂

    • Hallo Nina,
      Danke fürs Feedback. Um das Schnüffeln unter Signal zu stellen, musst du nichts besonderes beachten. Sage das Wort einfach, während dein Hund ohnehin schnüffelt. Durch häufiges Wiederholen wird dein Hund das Wort mit dem Schnüffeln verknüpfen. Dann kannst du es als Belohnung einsetzen.
      Liebe Grüße
      Bettina mit Rica und Bobby

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